Haus Hugenroth und Familie Hugenroth
Das Haus Hugenroth liegt im historischen Kern von Nienborg in
unmittelbarer Nachbarschaft zur Pfarrkirche St. Peter u. Paul
und zu den drei Burgmannshäusern, Hohes Haus, Langes Haus und
der Keppelborg. Es lässt sich nicht genau datieren, wann das
Gebäude im 18. Jh. errichtet wurde. Der seit 1985 in die
Denkmalliste eingetragene Giebel ist klassizistisch und
wohlproportioniert. Es handelt sich um einen zweigeschossigen
Backsteinmassivbau auf Sandsteinsockel, giebelständig unter
Krüppelwalm. Fenster- und Türrahmen sind ebenfalls aus
Sandstein. Die erneuerten Fenster haben noch die alte
Sprosseneinteilung. Bei dem Haus Hugenroth handelt es sich um
einen ehemaligen landtagsfähigen Burgmannssitz des
Klosters Varlar.
Der Heimatverein Nienborg wird Haus Hugenroth nicht nur für
eigene Zwecke, z.B. als Versammlungsort, nutzten. Vielmehr ist
dem Verein daran gelegen, die dort befindlichen Räume vielen
Nutzern zu öffnen. Getragen von dem entsprechenden Wunsch der
Nienborger Bevölkerung soll das Haus Hugenroth auch zum
Begegnungsort der Alten- und Rentnergemeinschaft werden und für
Versammlungen zur Verfügung stehen. Denn gerade Rollstuhlfahrer,
Gehbehinderte und ältere Mitbürger können nicht oder nur sehr
beschwerlich an den Veranstaltungen in der Mühle teilnehmen.
Auch im Pfarrheim müssen sie sich über eine Treppe in das 1.
Obergeschoss begeben. Der Cäcilienchor wird wöchentlich im Haus
Hugenroth seine Proben abhalten.
Seine vorrangigste Aufgabe sieht der Heimatverein in der
Geschichts- und Heimatforschung und in der Archivpflege, zumal
die Gemeinde keinen eigenen Archivar beschäftigt. Im Haus
Hugenroth stehen dem Heimatverein dafür geeignete Räumlichkeiten
zur Verfügung. Die Räume im Haus Hugenroth sind zudem
hervorragend geeignet für eine Nutzung durch die VHS, das
Bildungsforum oder andere Weiterbildungseinrichtungen oder für
Wechselausstellungen verschiedener Künstler, sogar eine
Verwendung durch kleine Gruppen der Landesmusikakademie
kann in Betracht kommen.
Familie Hugenroth
Damit der Name „Haus Hugenroth“ nicht nur ein leerer Begriff
bleibt, sondern sich durch die Erinnerung an Menschen aus
Nienborger Vergangenheit und Gegenwart mit Leben füllt, wird
nachfolgend beschrieben, welche Mitglieder der Familie Hugenroth
im Haus Hugenroth gelebt haben und welche Bedeutung sie - auch
über die Grenzen Nienborgs hinaus - für die Gesellschaft gehabt
haben.
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts bis zum Tode von Frau Clara
Hugenroth im Jahre 2003 wurde Haus Hugenroth von Mitgliedern der
Lehrerfamilie Hugenroth bewohnt. Zunächst sind Hermann Hugenroth
und seine Frau Maria, geb. Grasskamp zu nennen. Hermann
Hugenroth wie auch seine Tochter Eugeni (Tante Eni, * 06.03.1912
+ 07.02.1985) haben über mehrere Jahrzehnte als Lehrkräfte an
der Nienborger Volksschule gewirkt und vielen Nienborger Jungen
und Mädchen das „Rüstzeug für ihr Leben“ vermittelt. Sie haben
damit mehr als eine Generation Nienborger geprägt.
Der Lebensweg des am 16. Juli 1908 geborenen Sohnes Hermann
Hugenroth jun. macht deutlich, dass die Übernahme von Lehrämtern
auch für ihn auf Berufung für diese Aufgabe beruhte. Nach
bestandenem Abitur am Gymnasium Arnoldinum in Burgsteinfurt im
Jahre 1927 studierte er an den Universitäten Münster und Berlin
vornehmlich Klassische Philologie. Nachdem er von 1951 bis 1955
Leiter eines Gymnasiums in Dortmund gewesen war, war er
anschließend bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1973 Leiter
des Paulinums in Münster. Zusammen mit mehreren Gleichgesinnten
hat Hugenroth 1962 die Humanistische Gesellschaft gegründet.
Über 25 Jahre war er als Vorsitzender von wissenschaftlichen
Staatsprüfungen tätig. Von 1958 bis 1968 Vorsitzender des
nordrhein-westfälischen Altphilologenverbandes, übernahm er die
gleiche Funktion von 1965 bis 1973 bei der
Bezirksdirektorenkonferenz.
Mit seinen Publikationen und Veröffentlichungen hat er sich
nicht nur in der Fachwelt einen Namen gemacht. Besondere
Anerkennung haben sein Buch über das dichterische Werk des
münsterischen Arztes und Humanisten Bernhard Rottendorff und vor
allem das opulente Übersetzungswerk „Fabio Chigi - des
Philomathus Jugendgedichte“ gefunden. Trotz seines hohen Alters
hat sich Hugenroth von 1994 bis 1999 in einer enormen
Fleißarbeit an die Aufgabe gewagt, das Werk des diplomatischen
Vermittlers des Vatikans und späteren Papstes Alexander VII.,
Fabio Chigi, bei den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden
1648 in Münster zu übersetzen, zu kommentieren und damit auch
einer breiten Leserschaft zu erschließen.
Trotz seiner vielfältigen Aufgaben hat Hermann Hugenroth nie den
Kontakt zu seinem Heimatdorf Nienborg verloren. Bereits als
Schüler unterstützte er seinen Vater bei der musikalischen
Leitung des von ihm 1924 gegründeten Musikvereins Nienborg. In
den letzten Jahren hat er intensiven Kontakt zum Heimatverein
unterhalten. Noch in der letzten Woche vor seinem Tod hatte er
verfügt, dass der Heimatverein sein Spätwerk, die Übersetzung
der Schriften von Fabio Chigi, erhalten solle. Bis zuletzt hat
er stets bekundet, dass sein auf der Burg in Nienborg stehendes
Elternhaus erhalten bleiben und später als Heimathaus genutzt
werden möge. Hermann Hugenroth verstarb am 15.06.2000 im Alter
von nahezu 92 Jahren in Münster.
Mit dem Haus Hugenroth in besonderer Weise verbunden blieb bis
zu ihrem Tode Klara Hugenroth (* 21.10.1917 + 12.08.2003), die
von allen liebevoll Tante Klärchen genannt wurde. Während ihres
ganzen Lebens hat sie ununterbrochen in diesem Hause gewohnt;
nach dem Tode ihrer Eltern war sie dessen Eigentümerin und
Besitzerin. Als sie noch nicht von Alter und Krankheit
gezeichnet war, hat sie als kluge, umsichtige und energische
Verwalterin des alten Anwesens das Haus in
einem guten Zustand erhalten.
Wenn man an die Zeit denkt, in der das Haus nach 3 Generationen
von der Familie Hugenroth auf die Gemeinde Heek überging, muss
erwähnt werden, dass auch die Tochter von Hermann Hugenroth
jun., Frau Hildegard Sieberg, geb. Hugenroth, maßgeblich daran
mitgewirkt hat, dass das im Herzen Nienborgs gelegene Haus
Hugenroth seine neue Bestimmung als Heimat- und Bürgerhaus
erhalten hat. Obwohl sie als Kind nur relativ kurze Zeit in
Nienborg wohnte und zur Schule ging, haben diese Jahre sie so
nachhaltig geprägt, dass sie sich noch heute dort zu Hause
fühlt. Sie selber empfindet eine große Genugtuung bei dem
Bewusstsein, dass mit ihrer Hilfe das Haus Hugenroth bruchlos in
eine neue Zeit überführt werden konnte.