Heimatverein Nienborg erinnert an den Todestag des Fürstbischofs
Hermann II. Ortsgründer Nienborgs vor 800 Jahren gestorben
Bekanntlich wird meistens an die Geburtstage längst verstorbener bedeutender Persönlichkeiten erinnert; die Sterbedaten geraten dagegen eher in Vergessenheit. Nicht so beim Heimatverein Nienborg, der sich in diesen Tagen an den Todestag des Fürstbischofs Hermann von Katzenelnbogen, dem Gründer Nienborgs, erinnert. Dessen Todestag jährt sich am 08. oder 09. Juni 2003 zum 800ten mal. Vor dem Hochaltar der Abteikirche in Marienfeld bei Gütersloh wurde Fürstbischof Hermann beigesetzt. Die Umschrift der Grabplatte erinnert auch daran, dass er bereits 1185 die Stiftung und Ausstattung dieses später so berühmten Zisterzienserklosters Marienfeld beurkundet und damit den Grundstein für die dortige Kirche gelegt hat. Leider sind wenige Einzelheiten aus der Lebensgeschichte dieses angesehenen und bedeutenden Staatsmanns und Oberhirten bekannt. So ist es schwierig ein Charakterbild von ihm zu zeichnen. Allerdings sagt die Bischofschronik, er sei „pius“ genannt worden. Im Niederdeutschen wird dieser Begriff mit „de mylde“ zu übersetzen versucht. Wenn auch nicht bekannt ist, warum ihm gerade dieser Beiname zugelegt wurde, gilt Hermann II. neben Liudger unumstritten als der bedeutendste münsterische Bischof des Mittelalters. Nicht nur als Oberhirt seines Bistums, sondern auch als Staatsmann und Landesfürst hat er nach seiner Wahl zum Bischof im Jahre 1174 eine überragende Tätigkeit entfaltet. Die politische Kompetenz dieses geistlichen Würdenträgers machte sich auch Kaiser Friedrich I. (Friedrich Barbarossa) zu Nutze. Ihm stand Hermann II. auf Reichstagen, in Krisensituationen und bei vielen Verhandlungen rückhaltlos als gewandter und kluger Diplomat zur Seite. Als der Kaiser auf dem „Hoftage Jesu Christi“ zu Mainz am 27. März 1188 aus den Händen des Kardinallegaten das Kreuz entgegennahm, um an einem Kreuzzug teilzunehmen, folgte auch Hermann II. seinem Beispiel. Auf diesem Kreuzzug, der erst mit dem tragischen Tod des Kaisers Friedrich Barbarossa am 10. Juni 1190 endete, musste Hermann II. neben vielfältigen Strapazen auch schmähliche Behandlung in griechischer Kerkerhaft erdulden. In der Folgezeit stellte Hermann II. entscheidende Weichen für die territoriale Entwicklung des Münsterischen Bistums; seine bischöfliche Macht erweiterte er zu einer weitreichenden fürstbischöflichen Macht: Bisher selbständige Grafschaften gingen auf den Bischof über, neue Territorien wurden gewonnen, zahlreiche bischöfliche Städte entstanden, er erhielt das Münzrecht. Hermann II. suchte seinen landesherrlichen Anspruch durch den Neubau oder Ausbau von Landesburgen und durch die Verleihung von Stadt- oder Weichbildrechten deutlich zu machen. So erhob er z.B. Coesfeld zur zweiten Stadt des Bistums und errichtete u.a. an der Dinkel 1198 die Feste Nienborg, um im Norden des Münsterlandes gegen Einfälle gesichert zu sein. Die mit Burgmannen besetzte Anlage „neue Burg“ (lat.: novum castrum), 1203 erstmals erwähnt, seit 1256 auch unter dem deutschen Namen „Nienborch“, entwickelte sich schnell zu einer der mächtigsten bischöflichen Landesburgen des Fürstbistums. Die gesicherten Verhältnisse in Stadt und Land begünstigten Handel und Gewerbe. Die Burg Nienborg übernahm deshalb von Anfang an auch die Sicherung des bedeutenden mittelalterlichen Handelsweges, des sog. Horstmarer Landweges, von Münster nach Deventer. Hermann II. würde aber nicht zu den großen Bischöfen Münsters zählen, wenn er nicht auch ein vorbildlicher Oberhirte gewesen wäre. Auf ihn gehen eine Reihe von Pfarrei-, Kirch- und Klostergründungen sowie Stiftungen und Schenkungen zugunsten verschiedener münsterischer Kirchen zurück. Hermann II. konnte seine Machtstellung so gewaltig stärken, dass er mit Recht der erste münsterische Fürstbischof genannt wird. Darauf weist auch die an der Nienborger Pfarrkirche stehende Statue hin. Dort wird Hermann II. mit einem Schwert und einem Buch, der Bibel, dargestellt, um auf seine weltliche und geistliche Machtfülle hinzuweisen.
