Katholische Pfarrkirche


Von außen betrachtet, besitzt die Nienborger Pfarrkirche mit ihren Dachverschachtelungen, verschiedenen Türmen und Giebeln, den mitunter schmalen und tief eingeschnittenen Fensteröffnungen und kräftigen Profilen den Charakter einer echten "Gottesburg". Ursprünglich trugen die Sakristeianbauten zudem Zinnenkränze. Trotz der außen sichtbar unterschiedenen und deutlich hervortretenden Bauteile zerfällt der Bau optisch nicht in Einzelheiten. Zwar unterscheiden sich nicht nur Nord- und Süd-, sondern auch West- und Ostansicht, bedingt durch den seitlich gestellten Glockenturm im Westen, Giebel und Rundtürmchen im Osten, recht deutlich von einander, letztlich fügt sich jedoch in ein durchaus harmonisches, dicht sich hinter- und übereinanderlagerndes Ganzes. Über einem Bossenquadernsockel sind die Wände aus Backsteinen aufgeführt, deren rötlicher Farbton mit dem dunklen Schieferdach kontrastiert. Werksteine aus Ibbenbürener Sandstein sind an den Gesimsen, Portaleinfassungen, Treppenaufgängen usw. zur Akzentuierung eingesetzt. Stab- und Maßwerk der Fenster besteht aus Tuff. Vertikale Betonungen liefern vor allem die kräftigen, mehrfach gestuften Strebepfeiler, die am Chor, an der Osteingangsfassade und an den Ecken der Nordseite über ihre gesamte Länge hin frei vor die Mauerfläche treten, im Bereich der die Seitenschiffe deckenden Pultdächer von diesen jedoch horizontal überfaßt werden, um dann an den Seitenschiffaußenmauern neu anzusetzen. Die horizontale Gliederung außen wird durch den zweizonigen Wandaufbau innen mitbestimmt. So ziehen sich im Osten und Westen die Dachgruppen der seitlichen Anbauten mit ihren betonten Traufgesimsen hin. Um Turm und Nordfassade läuft ein um die Haupteingänge geführtes Gesims, um den Chor, unter den Fensterbänken, ein an den Strebepfeilern verkröpftes Kaffgesims. Die Wandflächen zwischen der Strebepfeilern um die Maßwerkfenster bzw. die Bleifenster in den Nordtraktseiten sind als gegenüber den lisenenartigen Mauerstreifen, auf denen die Strebepfeiler ansetzen, leicht zurückspringende Mauerfelder aufgefaßt,deren oberer Rahmung als deutlich profilierte Bogen- und Zinnenfriese gestaltet sind. Diese einen oberen Fries ausbildende Zweischaligkeit der Wandgestaltung bestimmt auch z.B. die Giebelfront des östlichen Haupteingangs. Besonders reich gestaltet ist jedoch die Giebelfront des Nordportals. So bildet hier das vorgezogene Portal mit dem ehemals durchfensterten Tympanon und dem von zwei Fialen mit krabbenbesetzten Helmen, Kreuzblumen und seitlich angesetzten Wasserspeiern flankierten Giebel im Zusammenspiel mit der darüber erscheinenden Fensterrose, die in ihrer unteren Hälfte von einer Reihe spitzbogiger Blendnischen umgeben ist, eine die Vertikale betonende, ausgewogene Komposition, die von den übereck gestellten Strebepfeilern, den schmalen seitlichen Wandvorlagen, den beiden nun vermauerten Fenstern und dem unterhalb des Ortganges geführten Spitzbogenfries umrahmt wird. Die Dachformen sind recht vielfältig. Während sich über dem Mittelschiff ein einfaches Satteldach mit Giebel im Norden und Abschleppungen über den drei südlichen Seiten des Chorpolygons breitet, finden sich über den Seitenschiffen Pultdächer. Das nördliche Mittelschiffjoch ist mit einem eigenen Satteldach versehen, dessen Firsthöhe die des Hauptdaches nicht erreicht. Hinzu kommt der eigene Giebel des Osteinganges, die Kapellenanbauten weisen sogar sechsseitige Pyramidendächer auf, die Sakristeiräume sind flach gedeckt, der dreigeschossige, schlanke Rundturm, die die Wendeltreppe zur Orgelbühne aufnimmt, besitzt gar ein Kegeldach. Der große Glockenturm, von nahezu quadratischem Grundriß, ist durch Gesims mit jeweils darunter angelegten Schmuckfriesen in vier Geschosse unterteilt. Sein Erdgeschoß, für die frühere Taufkapelle geplant, besitzt nach Norden einen Giebelvorbau mit Fensternische und nach Westen ein kleines Fenster. Das darüber liegende Geschoß zeigt nach jeder Seite jeweils Paare schmaler Fenster, die in Spitzbogennischen sitzen. Das Glockengeschoß besitzt nach jeder Seite eine große, gestufte Spitzbogennische und darin jeweils ein zweibahniges Maßwerkfenster, das zwei oblonge Schallöffnungen beherbergt. Es folgt schließlich das Uhrengeschoß mit den mittig angeordneten Zifferblättern der Turmuhr, das u.a. zur Dachform überleitet. Hier verändern sich das Turmrechteck zum Oktogon, sind vier quadratische Ecktürmchen entwickelt, die weitere, mit Schallbrettern versehene Fensteröffnungen aufweisen und deren vierseitige Pyramiddächer die achtseitige Hauptpyramide flankieren. Letztere ist im übrigen noch durch vier kleine Gaupen mit Dreiecksgiebeln aufgelockert. (entnommen aus "Kath. Pfarrkirche St. Peter u. Paul, Nienborg" von Dr. Peter Holzwig)




Zurück zur Übersicht