Der Wilde Bernd


 

"Der bessere Teil der Tapferkeit ist Vorsicht", von diesem Gedanken hat sich wohl auch der Wilde Bernd leiten lassen, als er 1633, also mitten im Dreißigjährigen Krieg, die Burgherren vor einer Belagerung Nienborgs durch feindliche Truppen warnte.

Der Wilde Bernd war ein Bürger Nienborgs. Er war bei den Burgmännern und den Dorfbewohnern als Wilddieb bekannt. Auf einem seiner Streifzüge bemerkte er, daß sich feindliche Truppen Nienborg mit dem Ziel näherten, den Ort zu plündern und zu brandschatzen. Eilends suchte er die Burgmänner auf, um sie von seinen Wahrnehmungen zu unterrichten. Während die Dorfbewohner auf der Burg evakuiert wurden und die wehrfähigen Männer zur Verteidigung eingeteilt wurden, schaute Bernd - Vorsicht walten lassend - außerhalb des Burggeländes dem schrecklichen Treiben weiter zu. Als der Erfolg der Angreifer unabwendbar schien, töte er mit einem gezielten Schuss den Anführer und trieb dadurch die feindlichen Truppen kurzerhand in die Flucht. Nienborg blieb unversehrt und frei.

Durch seinen Mut und seine Tapferkeit wurde der Wilde Bernd der "Held von Nienborg". Auch die Burgmänner, die "Kapeleren" zollten ihm für seine Tat Dank und Anerkennung und stellten ihm drei Wünsche frei. Bernd erbat sich daraufhin folgende Rechte: "Frie fisken, frie jagen und frie schieten in´n Grawen. Alle drei Rechte gehörten zu den Privilegien der Burgmänner. Nur den Burgleuten stand z.B. das Recht zu, ihre Fäkalien in den Burggraben zu leiten; den Bürgern war es untersagt. Vielleicht hat gerade deshalb der dritte Wunsch allgemeine Heiterkeit hervorgerufen. Dem Wilden Bernd wurden dem Vernehmen nach aber alle drei Wünsche erfüllt. Die Geschichte vom Wilden Bernd hat man seit Generationen - auch in den Schulen - weitererzählt und damit lebendig gehalten. Doch so recht mochte niemand glauben, daß sie auf ein wirkliches Geschehen in grauer Vorzeit beruht. Doch vor einiger Zeit wurden in einem niederländischen Archiv Aufzeichnungen eines Zeitzeugen über die Geschehnisse in Nienborg während des 30jährigen Krieges gefunden. Danach ist der Wilde Bernd keine "Märchenfigur". Er hat vielmehr für die Geschichte Nienborgs große Bedeutung und gilt deshalb zu Recht als Symbolfigur für das Streben der Nienborger nach Freiheit und Gleichberechtigung.

Der Heimatverein Nienborg hat dem Wilden Bernd 1998 ein Denkmal gesetzt und damit auch eine bleibende Erinnerung an das 800jährige Ortsjubiläum geschaffen. Am 06. Juni konnte dank der breiten Unterstützung durch die Mitglieder des Heimatvereins, durch die Hilfsbereitschaft vieler Privatpersonen, verschiedener Firmen und Unternehmen und der Gemeinde, sowie durch Spenden des Allgemeinen Bürgerschützenvereins und der ortsansässigen Geldinstitute die in Bronze gegossene Figur des Wilden Bernd der Öffentlichkeit übergeben werden. Auf dem Weg zur Kirche oder zu den Burgmannshäusern kommt man am Wilden Bernd vorbei. Manch ein Passant schmunzelt, wenn er dabei an die Tapferkeit und Vorsicht des Wilden Bernd und an dessen drei Wünsche denkt.

Vielleicht kann man durch weitere Forschungen auch einmal den Familiennamen des Wilden Bernd feststellen; in den aufgefundenen Notizen wird der Name nicht genannt. War es Bernd Bevers, Bernd Hoffstedde, Bernd Fleer, Bernd Nienhaus, Bernd Werners oder Bernd Schilling? All diese Personen lebten zur Zeit des Geschehens in Nienborg. Aber selbst wenn diese Frage nie beantwortet werden sollte, Nienborg ist durch die in Bronze gegossene Figur des Wilden Bernd um eine Attraktion reicher geworden.

 



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